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Terrapene

von Irmi Jasser-Häger

 

   

 

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Terrapene ornata ornata

 

Beschreibung

Terrapene ornata ornata Die Terrapene ornata ornata oder Schmuck-Dosenschildkröte ist meiner Meinung nach die am schwierigsten zu haltende Dosenschildkröte. Sie ähnelt in ihrem Aussehen zwar der Terrapene carolina bauri, wirkt jedoch flacher und runder und ist wesentlich stressempfindlicher und krankheitsanfälliger als diese.
Die Ornata besitzt einen dunkelgrau bis schwarzen Rückenpanzer, oben ist er abgeflacht, mit einem gelben Mittelstreifen. Von jeder der seitlichen Areolen gehen gelbe Strahlen aus, die je nach Tier unterschiedlich breit sein können. Der Carapax hat ebenfalls ein Strahlenmuster, welches bei sehr alten Tieren oft verwischt aussieht. Der Kopf wirkt recht massig und hat meist gelbe Flecken hinter den Augen.
Die Weibchen weisen oft eine gelbe Beschuppung an den Vorderbeinen auf, die Männchen eher eine orange bis rote. Adulte Männer bekommen mit zunehmendem Alter einen grünen oder gelben Kopf. Blaufarbene Köpfe sind sehr selten. Die Augenfarbe beider Geschlechter geht von einem hellen braun bis zu leuchtend rot und ist kein Geschlechtsmerkmal.
Terrapene ornata ornata

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Haltung

Die Tiere werden von mir von Juni bis Oktober in einem großen Gewächshaus gehalten, auf Grund unserer zu nassen, kalten Sommer jedoch ohne Zugang zu den Außengehegen. Um Stress für die Tiere zu vermeiden, sitzt jeder Mann einzeln und die Weibchen immer nur zu zweit.
Das Gewächshaus hat einen Umluftheizer, der Luft und Boden nicht austrocknet, und auf einem Drittel der Längsfläche eine Bodenheizung, jedes der Gehege hat einen 150 Wattstrahler. Der Bodengrund ist gewachsener Boden, Pinienerde, Sand und einige bemooste Stellen. Es wird täglich leicht gesprüht, damit die Erde nicht zu trocken und damit staubig wird. Die Temperaturen betragen im Sommer 30-38 Grad, im Oktober senke ich sie bis auf 20-22 Grad.
Die restliche Zeit des Jahres verbringen die Tiere in Terrarien. Von November bis Ende Dezember schlafen die Tiere im Terrarium bei ca. 18-20 Grad. Danach werden die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit erhöht, ich sprühe jetzt mehrmals am Tag. Nach 2 bis 3 Wochen erfolgen die ersten Eiablagen. Diese Zeit zwischen Januar und Mai ist bei meinen Tieren die einzige Zeit in der sie Feuchtigkeit vertragen und wohl auch brauchen, also die Zeit der Eiablage. Der morgendliche Tau des Grases oder länger andauernder Sommerregen macht sie krank.
Auch in den Terrarien halte ich die Männer einzeln und die Weibchen nur zu zweit. Der Bodengrund besteht aus einem Gemisch aus Erde, Sand und Pinienerde. Zur Ausstattung gehören Korkrinden, Wurzeln und Steine.

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Fütterung

Die Tiere können sich im Gewächshaus selbst versorgen, da sie hier Kellerasseln, Spinnentiere, Käfer und vor allem Heimchen, aber auch Würmer und Schnecken finden. Alle diese Futtertiere vermehren sich selbständig und werden nicht mehr eingesetzt. Im Terrarium werden die Tiere täglich mit Löwenzahn oder Romanasalat, ab und zu auch Endiviensalat, gefüttert, wobei dieses Grünfutter in etwa die Hälfte ihrer Nahrung ausmacht. Das Lieblingsfutter meiner Tiere sind Babymäuse, die insbesondere die Weibchen auch täglich bekommen. Zweimal im Monat erhalten die Tiere auch Schildkrötenpudding. An Obst verfüttere ich alle Arten von unseren heimischen Beeren, hingegen Äpfel und Bananen äußerst selten. Bei diesem abwechslungsreichen Futterangebot kann ich auf zusätzliche Mineralien oder Vitamine bei der Fütterung verzichten.

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Paarung

Paarung Eine ganzjährige Geschlechtertrennung ist einer der wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche Zucht, denn man erspart den Tieren damit Stress und Aggressionen. Die Paare werden bei mir einmal im Herbst zusammen gesetzt und nach erfolgreicher Paarung sofort wieder getrennt.

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Eiablage

Tragende Weibchen werden vor der Eiablage sehr hektisch, laufen viel hin und her und prüfen dabei immer wieder mit dem Maul die Erde, um einen geeigneten Eiablageplatz zu finden. Im Gewächshaus ist das Finden einer geeigneten Stelle zwar meist kein Problem, doch für mich ist hier das Eierausgraben fast unmöglich. So haben zweimal zwei Ornataweibchen außerhalb ihrer normalen Zeit (zu der sie im Terrarium sind) im Gewächshaus Eier abgelegt. Dafür hat jedes dieser Tiere eine 40cm!!! tiefe Grube ausgehoben und war damit bis zum nächsten Morgen beschäftigt.
Wenn die Tiere in der Natur so tiefe Gelege haben, erklärt dies auch meine Beobachtung, daß Ornatababys immer gleichzeitig schlüpfen oder die Zeit solange im Ei verbringen, bis alle anderen auch geschlüpft sind. Gemeinsam verbrauchen sie natürlich nicht so viel Energie, um sich ans Tageslicht zu graben
Weibchen auf dem Eiablagehügel Im Terrarium die richtige Stelle zu finden ist für das Tier oft schwieriger und erfordert auch vom jeweiligen Halter ein gewisses Fingerspitzengefühl. Der Eiablageplatz hier sollte mindestens 40cm hoch sein und aus einem Erde-Sand-Gemisch bestehen, zusätzlich die richtige Feuchtigkeit besitzen und an der richtigen Stelle im Terrarium sein. Ich forme ihn meist als leicht abgeflachten Hügel, habe ihn aber auch schon 5 - 6 mal verschieben müssen, bis dem Weibchen die Stelle genehm war und es ihn angenommen hat. Meist ist er dann auch für die anderen Weibchen an der richtigen Stelle.
Die Eiablage erfolgt meist ab 17 Uhr und kann sich bis zu 8 Stunden hinziehen. Dabei sollte man das Tier auf keinen Fall stören. Das Weibchen gräbt sich zunächst völlig ein und beginnt nun erst einen ca. 10 bis 15cm langen Gang mit einer meist seitlichen, birnenförmigen Erweiterung zu graben, in die es seine Eier legt. Die Eiablage ist, da das Tier eingegraben ist, nicht mehr zu beobachten. Zum Schluss festigt es den Eiablageort mit kreisenden Bewegungen, bis sich die Stelle nicht mal mehr erahnen lässt. Ich habe auch schon Tiere beobachtet, die sich immer wieder zum Glätten und Festigen der Stelle über dieser hoch stellten und sich dann richtig "darauf knallen" ließen.

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Inkubation

Die Eier in den Heimchendosen stehen im Brüter nach Budde Die Eier sollten nun möglichst schnell ausgegraben werden, denn wenn man bis zum nächsten morgen wartet, besteht die Gefahr, daß die Eier entweder austrocknen oder daß sich schon ein Keimling gebildet hat, der sich beim Ausgraben verdrehen könnte. Ich inkubiere die Eier in Heimchendosen mit feuchtem Vermiculite im Verhältnis 1:1. Die Eier liegen in Vermiculite im Brüter Die Dosen kommen nun in einen Brüter nach Budde, die Wassertemperatur liegt zwischen 30 und 32 Grad. Nach 36 bis 40 Tagen stelle ich die Dosen in eine "Jäger-Kunstglucke", damit das Substrat etwas abtrocknen kann. Der Schlupf erfolgt nach 48 bis 65 Tagen. Meist öffnen die Kleinen das Ei am Eipol und verlassen das Ei dann nach wenigen Stunden. Viele Babys flüchten bei "Gefahr" wieder ins Ei zurück und bevor ich diese Beobachtung gemacht habe, habe ich mich oft gewundert, warum der Schlupf so lange dauerte.

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Aufzucht der Jungtiere

Schlüpflinge Die Schlüpflinge kommen zunächst in kleine Gefäße mit feuchtem Küchenpapier, bis der Dottersack ganz eingezogen ist. Dann setze ich sie in kleine Aufzuchtbecken mit Pinienerde und Moos. Diese Aufzuchtbecken stehen bei mir in einem geschlossenem Terrarium, zum einen schützt dies vor Zugluft, zum anderen gewährleistet dies eine gleichbleibend hohe Temperatur und hohe Luftfeuchtigkeit. Die Aufzuchtbecken werden mindestens einmal täglich mit warmen Wasser übersprüht, dabei ist zu beachten, daß es auch trockene Stellen gibt, auf denen sich die Babys ganz trocknen können. Kleine Spotstrahler oder Halogenlämpchen dürfen auf keinen Fall fehlen, wichtig sind auch mehrere Badeschälchen. Die Tagestemperaturen liegen zwischen 28 und 38 Grad, nachts fallen die Temperaturen auf 20 Grad zurück.
Schlüpflinge auf feuchtem Küchenpapier Sobald es die Witterung erlaubt, bringe ich die Kleinen nach draußen in die Sonne, denn die natürlichen UV-Strahlen sind extrem wichtig für die Gesundheit und gutes Wachstum. Die Kleinsten kommen in mit Erde und Sand gefüllte Plastikwannen, die größeren in kleine, ausbruchssichere Gehege. Natürlich müssen den Tieren genügend Schattenplätze zur Verfügung stehen und man muss darauf achten, daß sich die Wannen nicht zu sehr aufheizen. Auch die Gefahr, die von Vögeln, Katzen oder Mardern ausgehen könnte, sollte man bedenken und darum immer engmaschige Netze über die Wannen oder Gehege spannen.
Jungtiere In den ersten Wochen besteht das Futter der Schlüpflinge hauptsächlich aus Kellerasseln, kleinen Würmern und Schnecken. Auch Grünfutter wie Löwenzahn und Romanasalat sollten von Anfang an angeboten werden, spätestens nach drei Wochen nehmen die Babys auch dieses an.
Von Rinderherz, Mehlwürmern oder Wachsmaden rate ich ab, denn dieses Futter ist zwar bequem, aber viel zu fett und Mehlwürmer fressen sogar die Babys an! Besser ist Beo-Futter, denn es enthält getrocknete Insekten, Beeren und Haferflocken und wird von den Tieren gerne angenommen, wenn im Winter mal das Lebensfutter ausgehen sollte. Ein weiteres "Notfall-Futter" ist auch Sera Raffy P, aber öfter als 2mal im Monat sollte es nicht verfüttert werden. Nach 3 bis 12 Wochen fressen die Tiere auch halbe Babymäuse oder Eintagsküken.
Im November /Dezember graben sich die Jungtiere oftmals über mehrere Wochen selbst ein. Dann sollten die Temperaturen auf 15-20 Grad gesenkt werden und die Tiere nicht mehr gestört werden. Es ist grundsätzlich stressig für die Tiere, wenn man sie immer wieder ausgräbt, um sicher zu gehen, daß sie in Ordnung sind. Anfänger machen diesen Fehler oft, sie sollten mehr Geduld haben, denn wenn die Tiere Hunger haben, kommen sie von selbst.
Jungtiere Ich habe immer wieder von Freunden und Bekannten gehört, daß plötzlich und ohne Grund gesunde Babys weich werden, das Fressen einstellen und sterben. Auch mir sind im letzten Jahren auf diese Weise drei 2monate alte Jungtiere gestorben. Die Tiere waren vorher gesund und unauffällig, saßen allerdings mit 8 anderen Babys in einem Terrarium. Deshalb ist die einzige Erklärung, die ich habe, daß dieser merkwürdige Krankheitsverlauf durch irgendwelche Stressfaktoren ausgelöst wird. Bis zu einem Jahr sind die kleinen Terrapene stressempfindlich bei zu dichtem Besatz, Standortwechsel oder falscher Haltung. Ganz besonders gehören auch Temperaturschwankungen und Zugluft dazu. Leider sind dies aber alles nur Vermutungen und noch keine gesicherten Erkenntnisse. Doch in den überwiegenden Fällen handelt es sich immer um Ornatababys und daher rate ich allen Anfängern zunächst ihre Erfahrungen mit weniger heiklen Terrapenearten zu sammeln. Eine Ornata ist ganz sicher kein geeignetes Tier für einen Anfänger!!!

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